Folsäure – nicht nur für Frauen wichtig

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Folsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine und spielt im Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Ihr Name leitet sich von dem lateinischen Namen folium ab, dies bedeutet Blatt und weist darauf hin, wo dieses Vitamin zuerst gefunden wurde: in Blattgemüse wie Spinat, Feldsalat oder Grünkohl.

Folsäure spielt bei der Entwicklung der Zellen, beim Wachstum von Knochen und Muskulatur sowie bei der Signalübertragung auf den Nervenbahnen eine entscheidende Rolle. Auf Mangelsituationen reagiert vor allem ein sich entwickelndes Nervensystem sehr empfindlich.

Solche Mangelsituationen können leicht eintreten, da die falsche Behandlung von Lebensmitteln, die Folsäure enthalten, dessen Gehalt drastisch reduzieren oder gar zerstören kann. Folsäure ist ein sehr empfindliches Vitamin, sie ist wasserlöslich und wird durch Licht und Hitze zerstört. Daher geht das Vitamin in das Wasser über, wenn Obst, Gemüse und Salate längere Zeit im Wasser liegen, und ist somit für den menschlichen Körper verloren.

Dies geschieht auch, wenn folsäurehaltige Lebensmittel längere Zeit dem Tageslicht ausgesetzt werden. Bei der Zubereitung sollten Gemüse, Kartoffeln und Vollkorngetreide nur schonend in wenig Wasser gegart werden.

Auswirkungen eines Folsäuremangels

Jedes Jahr kommen in Deutschland etwa 1.000 Neugeborene mit einer Fehlbildung des zentralen Nervensystems, einem Neuralrohrdefekt, zur Welt. Das Neuralrohr ist in der Entwicklung des Fötus die Vorstufe von Gehirn und Rückenmark.

Normalerweise schließt sich dieses Rohr schon in der vierten Woche nach der Befruchtung und verlagert sich dann in das Körperinnere. Unter anderem wird dieser Vorgang von Folsäure mitgesteuert. Kommt es aber zu einem Mangel an Folsäure, so wird dieser Entwicklungsschritt dramatisch gestört.

Als Folge eines Neuralrohrdefektes kann sich bei einem Teil der betroffenen Embryos das Gehirn nicht richtig ausbilden. Diese Babys leben normalerweise nur eine kurze Zeit, da eine Steuerung von Atmung und Herzschlag nicht mehr möglich ist.

Eine andere Folge dieser Entwicklungsstörung ist die sogenannte Spina-bifida-Erkrankung, auch als offener Rücken bezeichnet, bei der es zu einer Teilspaltung der Wirbelsäule kommt, sodass das Rückenmark teilweise frei liegt. Kleinere Defekte lassen sich unter Umständen operativ beheben.

Jedoch werden die offenen Nervenbahnen häufig bei der Geburt verletzt, sodass als Folge Bewegungsstörungen, geistige Behinderung oder Querschnittlähmung auftreten können.

Zusätzliche Folsäure ist nötig

Der Folsäurespiegel kann aus verschiedenen Gründen absinken. Dazu gehören ungünstige Ernährungsgewohnheiten, langanhaltende oder einseitige Diäten, übermäßiger Alkoholgenuss und Zigarettenkonsum.

Auch einige Medikamente, wie sie z.B. bei der Behandlung von Epilepsie oder entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt werden, können zu einer schlechteren Verwertung der Folsäure im Körper führen. Dazu kommt, dass die Schwangerschaft selbst einen erhöhten Bedarf an Folsäure verursacht.

Folsäure kann vom Körper nicht selbst gebildet werden. Daher ist jeder Mensch auf die ausreichende Aufnahme über die Nahrung angewiesen. Die empfohlene Menge an Folsäure, die etwa bei 600 Mikrogramm pro Tag liegt, wird aber nur sehr schwer über die Nahrungsaufnahme erreicht, da Folsäure nicht nur sehr sensibel ist, sondern auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich verwertet wird.

Da bei durchschnittlicher Aufnahme, selbst bei ausgewogener Ernährung, nur etwa die Hälfte der empfohlenen Menge erreicht wird, kann eine Ergänzung durch Folsäurepräparate nur empfohlen werden.

Dies betrifft vor allem Frauen mit Kinderwunsch. Diese sollten bereits drei Monate vor einer geplanten Schwangerschaft mit der Einnahme von Folsäure beginnen und dies mindestens die ersten drei Schwangerschaftsmonate fortführen – besser noch bis in die Stillzeit hinein.

Ist Folsäure sonst noch wichtig?

Folsäure spielt nicht nur eine zentrale Rolle bei allen Zellteilungs- und Wachstumsprozessen, sondern besitzt auch eine Schlüsselstellung im Homocysteinstoffwechsel. Homocystein ist ein Abbauprodukt, dass im Eiweißstoffwechsel aus der Aminosäure Methionin entsteht. Es zählt zu den Gefäßgiften.

Bei Übergewicht, regelmäßigem Alkoholkonsum und bei Rauchern ist der Homocysteinspiegel stark erhöht. Die Folge sind Entzündungsreaktionen, die die Gefäße schädigen und letztendlich zu lebensbedrohlichen Herz- und Gefäßerkrankungen führen können.

Durch Zufuhr von Folsäure kann der Homocysteinspiegel gesenkt werden und damit auch das Risiko für das Entstehen einer Arteriosklerose.

Die Gabe von Folsäure stellt besonders in Verbindung mit anderen B-Vitaminen daher eine einfach durchzuführende Prophylaxe gegen Herz- Kreislauferkrankungen dar. Nebenwirkungen sind selbst bei einer hohen Aufnahme nicht zu erwarten.